Was Zinseszins wirklich ist
Zinseszins heisst, dass deine Erträge selbst wieder Erträge abwerfen. Legst du CHF 1'000 an und sie wachsen in einem Jahr um 6%, hast du CHF 1'060. Im nächsten Jahr werden die 6% auf CHF 1'060 berechnet, nicht auf die ursprünglichen CHF 1'000. Jedes Jahr wird die Basis etwas grösser, also auch das Wachstum.
In den ersten Jahren ist dieser Effekt kaum sichtbar. Nach ein paar Jahrzehnten erledigt er den Grossteil der Arbeit. Deshalb ist der wichtigste Faktor nicht, wie viel du anlegst, sondern wie lange dein Geld angelegt bleibt.
18 gegen 25: sieben Jahre, die viel ausmachen
Nimm zwei Personen. Beide legen bis 65 jeden Monat CHF 200 an, und beide erzielen dieselbe angenommene Durchschnittsrendite von 6% pro Jahr. Der einzige Unterschied: Eine beginnt mit 18, die andere mit 25.
Wer mit 18 beginnt, hat am Ende rund CHF 594'000. Wer mit 25 beginnt, rund CHF 382'000. Der frühere Start kostet nur CHF 16'800 mehr an Einzahlungen, bringt am Schluss aber rund CHF 213'000 mehr. Diese sieben frühen Jahre sind mit 65 mehr wert als alles andere im Plan, weil sie am längsten wachsen können.
Oder andersherum: Von den CHF 594'000 beim Start mit 18 sind nur CHF 112'800 selbst einbezahlt. Die anderen vier Fünftel sind Wachstum.
Du brauchst keine CHF 200 im Monat
Die Zahlen oben können für Studierende oder Lernende unerreichbar wirken. Darum geht es nicht. Selbst CHF 50 im Monat ab 18 wachsen unter denselben Annahmen bis 65 auf rund CHF 148'000, bei CHF 28'200 Einzahlungen. Die Gewohnheit zählt mehr als der Betrag, und der Betrag kann später mit deinem Einkommen wachsen.
Warum Nichtstun nicht gratis ist: Inflation
Geld auf dem Sparkonto fühlt sich sicher an, hat aber stille Kosten. Die Preise steigen mit der Zeit, also kaufst du mit denselben Franken jedes Jahr etwas weniger. Steigen die Preise nur um 1% pro Jahr, kaufen CHF 10'000 nach 30 Jahren noch etwa so viel wie CHF 7'400 heute. Bei 2% pro Jahr sind es eher CHF 5'500.
Über lange Zeiträume ist ein breit diversifiziertes Aktienportfolio historisch schneller gewachsen als die Inflation und als Sparkonten. Dieses Wachstum verläuft nicht gleichmässig: Es gibt Verlustjahre, manchmal grosse. Beim Anlegen tauschst du kurzfristige Sicherheit gegen langfristiges Wachstum, und dieser Tausch ergibt nur Sinn mit Geld, das du viele Jahre nicht anrühren musst.
Kurze Freude gegen langfristige Freiheit
Jeder Franken lässt sich einmal ausgeben. Ein neues Handy, noch ein Ausgang oder die neusten Sneakers bringen eine kurze Freude, die nach ein paar Wochen verblasst. Dasselbe Geld arbeitet, mit 18 angelegt, fast fünf Jahrzehnte weiter. Es geht nicht darum, dein Geld nie zu geniessen. Es geht darum, bewusst zu entscheiden und zu sehen, was diese Entscheidung mit der Zeit wirklich wert ist.
Bevor du mit dem Anlegen beginnst
Anlegen funktioniert am besten auf einer soliden Basis. Zwei Dinge kommen zuerst:
- Teure Schulden abbauen. Kreditkartenschulden, Konsumkredite oder ein Autoleasing können mehr Zinsen kosten, als das Anlegen voraussichtlich einbringt.
- Einen Notgroschen halten. Ein paar Monatsausgaben auf dem Konto bedeuten, dass du nie zu einem schlechten Zeitpunkt Anlagen verkaufen musst, nur weil etwas Unerwartetes passiert.
Zeit im Markt statt Timing des Markts
Früh anfangen funktioniert nur, wenn du investiert bleibst. Wer ein- und aussteigt, um schlechte Tage zu vermeiden, verpasst meist auch die besten Tage, und das ist teuer.
Ein Hinweis für Eltern
Eltern können ihren Kindern etwas Wertvolleres geben als Geld: einen frühen Start und das Verständnis dafür, wie Geld funktioniert.
Finanzkurse für Kinder und Jugendliche
Wir bauen eigene Kurse dazu auf, wie Geld und Märkte funktionieren. Interessiert? Wir informieren Sie, sobald der erste Kurs startet.
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